Seelenwellen – Bewegung unter Beobachtung


Buchvorstellung am 5. Oktober 2018 18 – 21 Uhr

Praxis für Bioenergetische Analyse, Coaching, Supervision

Rubenstr. 116 in 12157 Berlin

Kontakt: bechgehabt@gmail.com

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Seelenwellen_becht

Hier meine Rezension:

Bewegung unter Beobachtung oder „Surfen auf Seelenwellen“ von Benedikt Bech

 

Ein alter Mönch ohne Namen, Arkan der Krieger, Pudra die Hexe, Laika die Hündin? Leben auf einer vom Körper komplett abgetrennten Bewusstseinsinsel? Archetypische Figuren als innere Puffer und Retter aus tiefster Not für unseren Götterspeise-Geist?

Was auf der einen Seite einladend spielerisch und bildhaft daher kommt, besticht auf der anderen Seite durch einen ebenso tiefen wie klaren Blick in den menschlichen Geist. Oder – aus Jnana-Yoga Perspektive gesprochen – vielmehr in die menschlichen Körper und deren Hüllen im Sinne verschiedener Ebenen: Da werden Erschütterungen auf der eher unbewussten geistig-emotionalen Ebene (die als massiv bedrohlich erlebte frühkindliche Existenzkrise des kleinen Benedikt, Panikattacken, …) und bewusste wie unbewusste Bewegungen beziehungsweise Interpretationen der geistig-intellektuellen Ebene (zum Teil vollkommen verzerrte Selbstbilder) beschrieben und deren Auswirkungen auf die energetische Ebene und den physischen Körper: „… immer wenn er seinen Körper bis zum Maximum auslaugte…“, „… den Körper aufbeißen, damit die Spannung abfließen kann …“, exzessives Nagelkauen, schmerzhafte Gelenkdegenerationen und entzündliche Prozesse schon im jungen Erwachsenenalter.

Die von Benedikt im realen Leben gewählte Unterstützung in Form von Körper(psycho)therapie, die eine wertvolle Basis seines Heilungs- beziehungsweise integrativen Ganzwerdungsprozesses darstellt, ist aufgrund der eben beschriebenen Symptomlage recht naheliegend und – wenngleich sehr lebendig und mitreißend beschrieben – an sich vielleicht noch nicht sonderlich Erkenntnis fördernd für den persönlichen Prozess des einzelnen Lesers. Benedikt Bechs Buch besticht aber darüber hinaus durch eine sehr klare und simple sowie wundervoll detaillierte Beschreibung menschlicher Zustände: archetypische – in Form sehr bildhafter Figuren –, körperliche und energetische (einengende Blockaden sowie deren Aufbrechen, Hitze, Schmerzen, Öffnungen, Energie-Erweckungen, …), und emotional-intellektuell-geistige – Wut, Hass, Profilierungsstreben und Bestätigungswahn, Leistungsstreben, panisches Lampenfieber oder Selbstzerstörungsimpulse.

Die Tiefe und Klarheit von Benedikts Beschreibung ist ein Produkt meditativer Einsicht. In diesem konkreten Fall ist es die Vipassana-Meditation. Vipassana-Meditation ist eine sehr alte Kunst der klaren Erkenntnis über stille Beobachtung der eigenen Bewegungen: Wahrnehmungen, Haltungen, Empfindungen, Bilder, Interpretationen usw. Es geht dabei darum, sich bewusst(er) zu werden, was gerade und unmittelbar gegenwärtig geschieht im Kontrast zu all dem, was der menschliche Geist permanent produziert, faktisch aber gegenwärtig gar nicht zwangsläufig existent ist: Pläne schmieden, Shopping-Listen, andere kontrollieren und verurteilen, Selbstverurteilung und Minderwertigkeitsgefühle, die Vergangenheit analysieren und die Zukunft planen, Perfektionsstreben, Ängsten nachhängen, sich Sorgen machen, Größenwahn und Selbstüberschätzung, Haben-Wollen oder Vermeiden-Wollen, einengende Ich-Identifikationen und innere Glaubenssätze, unverdaute Introjekte, Projektionen, Abspaltungen usw. Dies sind Prozesse von grundsätzlicher Gültigkeit für – mit gewissen Nuancen – alle Menschen. Denn „unser“ Geist –also der menschliche Geist an sich – hat Kultur übergreifend und seit vielen Jahrtausenden gültige Attribute, die uns miteinander verbinden (auch wenn wir oft irrtümlicherweise glauben, dass sie uns voneinander trennen).
Benedikt hat diese meditativen Räume genutzt, um sich voll und ganz den Prozessen seiner eigenen tief traumatischen Geschichte zu widmen. Diese totale Hingabe zusammen mit einem scharfsinnigenGeist ermöglicht dann die im Buch verwendete „Was würde Jens wohl sagen“-Perspektive. Jens ist Körpertherapeut und Benedikts wichtigste reale Begleitung auf diesem Weg der Selbsteroberung. Diese Perspektive liefert nachvollziehbare und lebendig-bildhafte Rückschlüsse auf die in Benedikt ablaufenden psychodynamischen Vorgänge.

Diese totale Hingabe ermöglicht aber auch die sehr plastische, griffige und inspirierende Darstellung archetypischer Bilder in Form der eingangs erwähnten Figuren. Beim Lesen ist da bereits nach wenigen Seiten ein inneres Feuerwerk bei mir ausgelöst worden. Verschiedene eigene Figuren, die mir bei meinem Überleben auf dieser Welt unterstützend zur Seite stehen, sind sehr lebendig (wieder) aufgetaucht: der traurig-stille Beobachter, die aufmüpfige Ziege (als sympathischer Freigeist, Querdenker und lust- und humorvoller Lebemann), die liebliche Fee, der sich selbst kasteiende Asket mit seinem großen Bruder, dem wütenden (Selbst-)Zerstörer, der staunende Wandler zwischen den Welten, der stets wachsame Kontrolleur. Da war ich natürlich sofort voll drin, und genau das macht das Buch so lesenswert: komplettes Eintauchen in Benedikts Prozess der Bewegung unter Beobachtung. Der Leser und die Leserin dürfen neugierig sein. Danke für den Mut!

Stephan Maey

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