Informationsverarbeitung 3.0 im Zeitalter totaler Verwirrung!

Verwirrung-

Überall auf der Welt bewegt es sich. Immer schneller und permanent. Vor allem unsere Nervensysteme. Denn fast alle können via Smartphone und Co., jederzeit und fast überall hunderttausende von Informationen abrufen. Dadurch entsteht oft der Eindruck, dass wir alles wüssten, top-informiert sind, den Überblick haben, wenn wir nur wollen. Hardcore-Informationsgesellschaft eben. Dabei sind diese Informationsfluten mittlerweile so Tsunami-artig in ihrer Fülle, so stark fragmentiert und zusammenhangslos, mitunter so falsch oder Kontext-entfremdet, so widersprüchlich, einseitig und unreflektiert in ihrem Inhalt, so sehr auf das Außen ausgerichtet und vom Innen wegführend, dass sie uns schirr umklatschen und letztendlich hochgradig verwirren (können). Was meinst Du, was da abgeht in der Rübe? Chaos pur! Syntax error – Verarbeitung nicht möglich! Verwirrung par exellence.

Verwirrung aber nicht nur im Sinne von „Ich weiß nicht, was los ist!“, sondern auch im Sinne von „Ich weiß genau, was los ist! Ich hab’s gecheckt. Alles klar.“. Erstere Verwirrung kann eine gute Basis dafür sein, sich motiviert mit der Frage zu beschäftigen: „Was ist hier eigentlich los?“. Eine wundervolle Frage, die mich im Idealfall dazu anstößt…

… zu beobachten und den Dingen auf den Grund zu gehen, sie in eine Perspektive zu rücken, sie zu hinterfragen, zu verwerfen oder zu integrieren. 
In Beziehung treten – und nicht nur wissen! Eine eigene innere Haltung entwickeln – und nicht nur passiv übernehmen!

Es ist also potentiell eine desillusionierende Form der Verwirrung und damit ein Schritt in die Freiheit. Es lebe der Anfängergeist!

Okay, aber ist es nicht irgendwie sexy, genau zu wissen, was los ist? Klar ist das sexy (und in konkreten Kontexten natürlich auch absolut notwendig), deswegen stehen wir da ja auch so drauf. Befindest Du dich in einem Zustand der „Ich weiß nicht, was los ist“-Verwirrung, dann sehnst Du dich sicherlich oft nach einer „Ich weiß genau, was los ist“-Form der Verwirrung. Genau deswegen betrachte ich letztere auch als die wesentlich heimtückischere und gefährlichere Art der Verwirrung. Sie fühlt sich gut an, sie verleiht ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit, Kontrolle, Überlegenheit, Souveränität. Sehr attraktiv. „It’s so true!“, um es in President Trumps Worten zu sagen.  Deswegen wird sie auch gerne gewählt. Macht es einfacher. Und bei der oben beschriebenen Art und Fülle von Informationsmengen auch durchaus nachvollziehbar: Kapitulation – im Sinne einer Nicht-Auseinandersetzung – ohne offensichtlich zu kapitulieren: Hab‘ ja alles im Griff. Ich hab‘ zwar nichts intern verarbeitet und wir dadurch wirklich angeeignet als Wissens- und Erfahrungsschatz (denn dafür sind die Mengen zu groß und kommen zu schnell), aber ich tue so, als ob und bastel mir meine Welt und glaube, dass sie auch wirklich so ist. Und deine kenne ich ja auch, die habe ich mir auch gerade zusammengebastelt. Nett. Oder?

Wie sieht’s bei Dir aus? Was weißt Du alles, ohne es einmal wirklich zu betrachten? Und bei genauer und immer wiederkehrender Betrachtung im Innen, wie im Außen – was kristalliert sich da als wirklich wesentlich heraus?

Im 17. und 18. Jhd. gab es einmal eine Epoche namens Aufklärung, deren positive Strahlkraft maßgeblich die großartigen Ideen der Toleranz und der Freiheit des Individuums geprägt haben. Aktuell scheint so eine Art Aufklärungs-TÜV anzustehen. Was davon hat Substanz und überdauert diese aktuelle Zeitqualität totaler Massen-Verwirrung als Gegenbewegung zu humanistischer Bildung und innerem Wachstum? Wir befinden uns vom Grundsatz her schon einige Jahrzehnte in einer massenmedial geprägten Hochfrequenz-Informations-und-Illusions-Phase. Sogenannte Fake-News, das Postfaktische, alternative Fakten – alles nichts Neues. Höchstens die Internet-Trolle, die diese Art der psychologischen Kriegsführung technisch perfektionieren. Es wird aktuell nur klarer benannt, was vorher im Verborgenen wirkte. Es ist eine Zeitqualität, in der Objektivität und Subjektivität, Emotion und Vernunft, das Eigene und das Fremde – die alle ihren großen Wert haben – gnadenlos durcheinander gewirbelt und bewusst miteinander vermengt bzw. gegeneinander ausgespielt werden. Psychologie in Zusammenarbeit mit Informationstechnologie – das sind die Wissenschaften der Stunde!
Da entsteht dann schon mal Verwirrung. Verwirrung pur. Obwohl ich eigentlich alles weiß. Oder weil ich alles weiß? Oder warum überhaupt? Ach, ich weiß auch nicht… Halt. Moment. Doch. Alles klar. Das ist ja so…  STOP STOP STOP!

Was hilft? Also wirklich? Nachhaltig in diesem Sinne hilft nur eins: Ich halte inne. „Was ist hier eigentlich los?“ Ich beobachte. Damit beginnt Informationsverarbeitung 3.0. Ich fange bei mir an. Weg vom Außen, dem angeblich Objektiven, den angeblichen Fakten. Ich schaue. Ich entdecke. Ich trete in Beziehung. Zu mir. Zur Welt.

Offener Geist, offenes Herz.

Das klappt nicht immer. Ich probiere es trotzdem. Ich schaue, nehme an, verwerfe, lasse los,halte fest. Ich transformiere mich und mein „Verständnis“ von X. Fortwährend. Immer wieder. Das ist Informationsverarbeitung 3.0. Manchmal mag es langweilig sein, sich das immer wieder klar zu machen. Stimmt. Aber: Es ist hochgradig spannend immer wieder Veränderungen zu erleben oder neue Facetten zu entdecken und Schleier zu lüften. Und:  Es fehlen die (wirklich nährenden) Alternativen. Und: Es macht frei(er). Ob das jetzt sexy ist oder nicht – mach Dir dein eigenes Bild.

Um das Ganze unterhaltsam und inspirierend zu gestalten folgende Empfehlung eines Vortrags von Dr. Daniele Ganser: „Wie uns illegale Kriege schmackhaft gemacht werden – Sündenfall Kosovo 1999“. Auch wenn der Titel Krieg in sich trägt, geht es inhaltlich letztlich um Frieden. Sehr klar. Sehr erhellend. Unterstützung für den eigenen Weg. Auch dieser Blogbeitrag wurde von Daniele Ganser, den ich sehr schätze, inspiriert. Sexy der Mann. Zumindest in diesen Videos.

N.B. Wenn’s dich anspricht: Teile es mit anderen. Nicht nur im Form eines Links. Das ist nur der Anfang. Sondern auch in Form eines kommunikativen Austausches über die Thematik. Das bringt hoffentlich Reibung mit sich und ist Futter für die nächste Innenschau. Auch das ist Teil der Informationsverarbeitung 3.0. Kontakt zu echten Menschen. „Echtes“ wirken, in der „echten“ Welt. Und diese ist ein echtes Geschenk.

Vertrauen. Liebe. Verwirrung. Äh. Freiheit.

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